Stellungnahme zur aktuellen sportlichen Situation | 03. Oktober 2014

Der SSV Jahn im freien Fall

Durch den Abstieg aus der 2. Liga musste Franz Gerber seinen Posten als Sportchef im Sommer 2013 räumen. Zu Beginn der Saison 2013/14 war bei weiten Teilen der Jahnschar große Sehnsucht nach einem Mann, der planvolles Arbeiten, Weitblick und Kontinuität verspricht, der eine Idee für die Ausrichtung des Vereins hat, die etwas weiter reicht als von 12 bis Mittag und danach auch agiert. In den Gremien des SSV sah man das anscheinend ähnlich und so übernahm Christian Keller das Ruder. Ein badischer (Sport-)Akademiker, der über die Beraterfirma Actori bereits 2010 den Jahn kennenlernen konnte. Nachdem man mit Finanzvorstand Johannes Baumeister (ebenfalls Ex Actori Mitarbeiter) gute Erfahrungen gemacht hatte, waren es keine schlechten Voraussetzungen dafür, dass sich die Erwartungen erfüllen könnten.

Zur Winterpause schien eigentlich alles so sehr paletti zu sein, wie man es von unserem Verein nur ganz selten kannte. Sportlich fand die junge Mannschaft mit Trainer Thomas Stratos nach leichten bis mittelschweren Startproblemen in die Spur und Christian Keller präsentierte im Januar 2014 seine Vorstellungen zur Neuausrichtung des Jahn, mit dem Fokus auf der eigenen Jugend.

 

Was sich zu Rückrundenbeginn jedoch schon dezent ankündigte, wurde im Frühjahr immer konkreter. Eine Vertragsverlängerung des in der Öffentlichkeit beliebten Trainers schien wohl keine Selbstverständlichkeit zu sein und auch die Spieler sollten erstmal die Klasse sichern, bevor man das Arbeitspapier mit ihnen verlängert. Verunsicherung machte sich sowohl im Umfeld als auch auf dem Rasen breit, sodass man länger als einem lieb war um den Klassenerhalt zittern musste. Mit Bekanntwerden, dass Thomas Stratos den Verein verlassen muss, schwankte die allgemeine Gefühlslage von Verunsicherung in Unverständnis um. Keller hatte sich jedoch einen gewissen Kredit durch seine schlüssig wirkenden, langfristig angelegten Pläne erarbeitet, so dass die Kritik noch relativ dezent ausfiel. 

Am Ende der Saison, als immer mehr klar wurde, dass ohne größere Not (schließlich hatte man das Saisonziel erreicht) mehr Umbruch als gedacht stattfand, begann der Kredit zu schwinden. Nicht nur in unseren Reihen, sondern auch in anderen Teilen der Jahngemeinde machte sich Unbehagen breit. 

Kritisch wurde vor allem auch die Außendarstellung Kellers beäugt: Schwammige bis gar keine Aussagen zum Thema Stratos, bei jeder Gelegenheit die Betonung der eigenen Verantwortung, die er jetzt zu übernehmen habe und dies auch erfolgreich tun werde. Mannschaft und Trainer stelle er nach seinem Gusto zusammen und wenn es schief geht, ist der Fall auch eindeutig, wer dies zu verantworten hat.

 

Anfang Oktober kann man es nicht anders sagen: Es ist schief gegangen! 

Der eigene Anspruch und die sportliche Realität klaffen aktuell meilenweit auseinander. Das von Keller selbst ausgegebene Saisonziel, nämlich mit seiner eigenmächtig zusammengestellten Mannschaft - die angeblich "mehr Qualität als im Vorjahr" aufweist - einen einstelligen Tabellenplatz zu erreichen, erscheint in der augenblicklichen Situation mehr als unrealistisch. Und auch sein Plan, nachdem die vergangene Spielzeit eine Übergangssaison war, die aktuelle dazu dienen soll sich im vorderen Drittel der Tabelle zu etablieren und dann mit Schwung und Aufbruchstimmung im neuen Stadion den Aufstieg in die 2. Bundesliga anzupeilen, klingt zwar auf dem Papier an sich ganz schlüssig und ansprechend, an dessen Verwirklichung glauben inzwischen aber nicht mal mehr die kühnsten Optimisten. 

 

Die Verdienste von Herrn Keller im Bereich der Professionalisierung und Neustrukturierung des SSV Jahn sind in weiten Teilen unbestritten. Auch mag es sein, dass er bei potentiellen Sponsoren und Politikern höheres Ansehen als seine Vorgänger genießt. Wie der Name seines Postens aber schon selbsterklärend definiert, ist seine Kernaufgabe und der hauptsächliche Verantwortungsbereich der sportliche Bereich und da ist offensichtlich Alarmstufe Rot erreicht. Auf dem Platz steht eine Mannschaft, die scheinbar eine Allergie gegen das Führen von Zweikämpfen und ebenso gegenüber dem Toreschießen entwickelt hat. Auf der Bank sitzt mit Alexander Schmidt ein Trainer von dem man schon aus seiner Zeit bei 1860 München wusste, dass soziale Kompetenz, gelinde gesagt, nicht seine größte Stärke ist. Zudem an vorderster Front das Alphatier Keller, der wochenlang nicht müde wurde Durchhalteparolen vom Stapel zu lassen, dafür jedoch bis heute das öffentliche Eingestehen von Fehlern penibel vermeidet. 

Eines ist klar: Die Verantwortung tragen alle zusammen! Was die Mannschaft u. a. beim Totopokalaus in Weiden zeigte, war eine 90-minütige Frechheit. Daran ist auch in 100 Jahren kein Trainer schuld! Eben dieser präsentierte sich lt. sportlicher Leitung stets als akribischer Arbeiter mit professionellem Training und sehr guter Spielvor- und -nachbereitung. Aber um eine Mannschaft zu führen gehört eben mehr dazu. 

Das Tischtuch zwischen Trainer und Spielern scheint irreparabel zerschnitten. Wen wundert es… Nirgendwo sonst ist der Weg vom Hoffnungsträger zum Tribünengast wohl so kurz, wie beim Jahn in diesen Tagen. Gefühlte 89 mal musste er, entsprechend seiner Aussagen auf verschiedenen PK´s, seine Mannschaft bereits wieder aufrichten. Wie ausgerechnet ihm das gelingen soll bleibt fraglich. Nach dem Trauerspiel zuhause gegen Kiel mussten sogar die eigenen Anhänger herhalten, die öffentlich für das desaströse Auftreten der Jahnelf auf dem Rasen mit verantwortlich gemacht wurden.

 

Der Zug mit Schmidt die Wende zu schaffen ist abgefahren! Begreifen Sie das endlich, Herr Keller! So positiv die strategischen und strukturellen Maßnahmen die durch Christian Keller in die Wege geleitet wurden zu bewerten sind, so negativ muss man seine Arbeit für die laufende Saison einstufen. 

Natürlich darf in solchen Zeiten nicht in Hektik und Aktionismus verfallen werden, aber sämtliche Verantwortliche stehen aktuell an der Schwelle die Zeichen der Zeit nicht rechtzeitig zu erkennen und dadurch zu spät zu reagieren. 

 

Manchmal sind die Gesetzmäßigkeiten des Fußballs eben doch richtig und auch nicht aufzuhalten. In der logischen Abfolge trifft dies auf Weisung des sportlichen Leiters zuerst den Trainer. Diesen Joker kann Herr Keller noch ziehen und so diesen Fehler korrigieren. Sollte dies nicht erfolgen, ist auch er nicht mehr zu halten. 

Keine Frage: Strukturell und wirtschaftlich hat sich unser Verein absolut positiv entwickelt, nur davon ist bald nichts mehr übrig, wenn nicht schnell gehandelt wird. Auch der Aufsichtsrat muss nun seiner Funktion und Verantwortung gerecht werden, auch wenn es Bauchschmerzen bereitet, dass dort die Kernkompetenz aktuell im wirtschaftlichen Bereich liegt und in puncto Fußballsachverstand und Gefühl für den Mikrokosmos SSV Jahn Regensburg (Meinungsströme, (inoffizielle) Strukturen bei Fans und Mitgliedern, tatsächliches Empfinden dieser was die Außendarstellung des Vereins betrifft etc.) starker Nachholbedarf besteht.

 

Egal ob am Turm oder auf der Haupttribüne, noch nie war sich die Jahn-Basis wohl so einig wie aktuell:

VERANTWORTUNG ÜBERNEHMEN - KONSEQUENZEN ZIEHEN!

HANDELT JETZT!

 

Ultras Regensburg, 03.10.2014